Krimi 5 – Nur Freundschaft reicht nicht

  Nur Freundschaft reicht nicht

 

Vor kurzem ist in meiner Nachbarschaft in Chicago ein neuer Nachbar eingezogen. Er hat sich bei den Nachbarn vorgestellt, sein Name war James.

Mit der Zeit haben wir uns sehr gut angefreundet. James lebte genau wie ich alleine. Oft gingen wir zusammen einkaufen und im Wald joggen. Ich war froh so einen netten Mann kennen gelernt zu haben. Wir sprachen über alles, doch trotzdem sprach er nie über seine Vergangenheit. Langsam näherte sich der Heilig Abend. Ich lud meinen alten Schulfreund, Tim ein und James ebenfalls. James lehnte jedoch meine Einladung ab, als er mitbekam, dass noch ein Freund kommen würde.

 

Am Heilig Abend backte ich mit Tim Plätzchen, wir trunken Wein und lachten viel über alte Zeiten. Ich kenne Tim schon seit der Grundschule. Wir waren beste Freunde.
Wir hatten viel Spaß bis ich eine SMS bekam. Es war James. Ihm ging es nicht gut und er bat mich drum mit ihm an die frische Luft zu gehen. Tim passte solange auf die Plätzchen auf, die noch im Ofen waren. Es dauerte nicht lange bis wir uns an unserem Treffen befanden. Wir spazierten in den verschneiten Wald hinein. Es war dunkel und kalt. Die weißen Schneeflocken fielen auf unseren roten Gesichtern. James sagte nichts, bis er anfing über Tim nachzufragen. Ich habe seine Fragen mit Ruhe beantwortet. Doch ich fragte mich was es mit diesen Fragen auf sich hatte. Wir liefen immer tiefer in den Wald, die Lichter von der Stadt verschwanden hinter uns. Seine dunkelbraunen Augen verloren die fröhliche Farbe und wurden größer. Ich merkte, dass etwas nicht stimmt. James wurde lauter und ballte seine Fäuste. In diesem Moment klingelte mein Handy, Tim rief an und fragte mich: ,, Wo bleibst du Maria, mein Liebling? Die Plätzchen sind schon kalt.“ „Ich bin gleich da, Tim“ sagte ich und legte auf. „ Ich muss gehen, Tim wartet schon. “ sagte ich ihm, als ich mein Handy in meine Jackentasche packte. Als ich wieder aufblickte, sah ich nur noch James mit einem weißen Tuch, der auf mein Gesicht zukam. Der Gestank des Chloroforms roch nach Alkohol und mein Körper fühlte sich so schwer an. Ich war erschrocken und versuchte mich zu wehren. Er war zu stark und langsam fiel ich in einen Schlaf.
Ich wusste nicht was er mit mir gemacht hatte, ich spürte nur Schmerzen, die mein ganzer Körper trug.
Nun war ich in einem kleinen Raum eingesperrt. Ich war mir nicht sicher wo ich war. Doch wobei ich mir sicher war, war dass ich nicht weg konnte. Es war aus Holz und ich hörte den Wind, der draußen durch die Bäume wehte. Es sah wie eine Hütte aus, in der der Boden kalt und nass war. Es lagen kaputte Stühle und Gartengeräte neben mir.

Meine Armgelenke und Füße waren gefesselt. Warum hatte er das getan? Zu welchem Preis? Die Frage, die mir durch den Kopf ging, war die, was er nun mit Tim machen würde? Ich fing nämlich an Tim zu mögen und wollte nicht, dass ihm etwas wegen mir passieren würde. James war mir absolut fremd geworden. Tränen liefen mir an meinem Gesicht runter. Es wurde immer schlimmer mit diesen Gedanken. Ich hatte Angst. Nicht Angst hier alleine zu sein, es war James vor dem ich Angst hatte. Ich weinte so lange bis James wieder kam…

Schnell schloss ich meine Augen. James blickte auf mich zu, dass spürte ich. Es tat weh auch wenn er nichts machte, ich habe mich in ihm getäuscht und ekelte mich nur noch. Er schwieg. Dann fing er an zu weinen. „Wieso tust du es?“ habe ich ihn gefragt. Meine Stimme klang zerbrochen. Er drehte sich um, „Ich liebe dich, ich wollte nicht, das du Angst bekommst“,  ich schwieg. Er nahm ein Messer und schneidete das Seil durch, mit dem er mich gefesselt hatte. Darauf schloss er die Tür ab und verließ den Raum.

Es war still und inzwischen dunkel geworden.

Vorsichtig nahm ich mein Handy aus meiner Jacke. Ich schickte Tim eine SMS mit dem Inhalt “Hilfe, bin in einer Hütte im Wald eingesperrt!“ Darauf hin stürmte James in die Hütte ein und nahm mir wütend das Handy aus der Hand weg. „Maria du wirst nicht mit mir spielen!“

„Ich hasse dich, ich hasse dich!“ sagte ich ihm und ich fing wieder an zu weinen.

Nach einer Weile hörte ich eine Stimme draußen…  Eine männliche Stimme die meinen Namen rief. Das war Tim. Er hat mich gesucht. Ich fing an zu schreien

„Tim ich bin hier, Hilfe!“ James stand dann auf und hielte seine Hand auf meinem Mund. Seine Hände waren schmutzig und sein Blick war so besessen von mir. Ich hatte solche Angst, dass Tim mich nicht finden würde oder im schlimmsten Fall, dass James ihm etwas antut. Man hörte Tims Stimme nicht mehr, meine letzte Hoffnung starb. Und so saß ich da, eingefroren, verloren und verzweifelt. Mit einem Psychopath, den ich für einen Freund hielte. In einem Moment stand er auf und nahm mein Gesicht mit meinen Händen. Er wollte mich küssen. Als ich ihn weg schuppste, knallte er mir eine Ohrfeige. So stark, dass ich runter fiel. Meine Wut wurde immer größer, wie ich ihn nur hasste…  Ich nahm vom Boden eine Schaufel und schlug auf seinem Kopf hart zu. So hart das es anfing zu bluten. Bei dem zweiten Schlag nahm er mir die Schaufel aus der Hand aber ich holte schnell die Schlüssel und machte die Tür auf. Ich rannte so schnell wie ich nur konnte. Überall waren Äste, über die ich fast stolperte, weil der Schnee über die war und Bäume die mir im Weg standen. Die Kälte spürte ich nicht mehr. Ich schrie ,,Tim, Tim!“. Er hörte mich aber nicht…

Verzweifelt lief ich weiter, bis ich auf einmal Tim sah. Wir fielen uns in die Arme.  Er hielt meine Hände, sie waren so warm. Ich schaute ihm tief in die Augen. Von der Seite sah ich wie James mit einem Messer auf uns zukam. Schnell zog ich Tim zur Seite und ich selbst fiel auf den Boden. Von unten sah ich zu wie rote Bluttropfen auf dem Schnee fielen. Von wem sie aber waren, war mir unbekannt. Ich hoffte nur, dass sie nicht von Tim waren. Tims Gesicht blutete. James hielt Tim das Messer am Hals. Ich nahm einen  großen Stein und warf es auf James Kopf. Er fiel um. Ich half Tim wieder aufzustehen und merkte dabei nicht, dass James wieder aufstand. Er war noch wütender als vorher. James rannte auf uns zu, dabei schuppste er mich zu Seite und sprang auf Tim. Seine Hände waren um Tims Hals gewickelt. Er versuchte sich zu wehren, wollte James Hände los reißen. Langsam bewegte sich Tim nicht mehr. Ich suchte wie verrückt das Messer im Schnee. Endlich fand ich es. Ich stach James mehrmals in den Rücken. Meine Hände waren voller Blut und sie zitterten. Ich bereute es nicht, das hat er verdient. Jetzt musste ich mich aber um Tim kümmern, bevor es zu spät wurde. Ich gab ihm schnell Mund zu Mund Beatmung und drückte seine Brust.

 

Er atmete nicht mehr. Das tat so weh. Ich hatte ihn so gern aber wegen mir verlor er sein Leben. Ich sah ihn noch einmal an, gab ihm einen Kuss. Er war so kalt, so blass.

Das war der grauenvollste Heilig Abend in meinem Leben. Ich nahm die Schaufel aus der Hütte und fing an zu graben. In das Loch schuppste ich James Leiche rein. Dann rief ich die Polizei an. Sie kamen und alles sah so aus, als ob James ihn getötet hat und verschwunden ist. Das ganze Leben werde ich mit dem schlechten Gewissen leben müssen.