Krimi 4 – Das dunkle Grauen der Vergangenheit

Das dunkle Grauen der Vergangenheit

Es ist wieder mal Sturmzeit. Der Wind weht so stark, dass eine Fensterscheibe laut vibriert. Herr Jäger wird durch dieses unangenehme Geräusch aus dem Schlaf gerissen. Gewöhnlich schaut er die Uhr auf dem Nachttisch am Bett an, es ist erst fünf Uhr morgens. Der Mann stützt sich mühsam mit beiden Armen auf, denn sein linkes Bein schmerzt ihn schon seit Tagen. Das ist immer ein Zeichen, bevor ein Sturm kommt, bemerkt er es als Erster am Schmerzen seines Beines. Es kann keine Rede davon sein, dass dies immer so war, denn er hat seit genau 547 Tagen die Fähigkeit. Noch vor anderthalb Jahr hieß er Kommissar Jäger. Sein Bein wurde auf der Suche nach einem Bankräuber vom Täter durch einen Schuss schwer verletzt. Er lag drei Monate im Krankenhaus, danach wurde ihm gestattet, früher in Rente zu gehen. Er greift in der Schublade nach der Salbe, um den Schmerz am Bein zu behandeln. Auf der Suche nach einer neuen Packung, begibt sich der Mann zu einem Schrank, in dem sich die Salben befinden. Als er den Schrank aufmacht, wird er von einem herunterfallenden viereckigen Ding erschreckt. Herr Jäger beugt sich langsam nach unten, um es aufzuheben. Als er den Gegenstand näher betrachtet, erkennt er an der Lederfolie sein Tagebuch. Seit seiner Pensionierung ist es im Schrank geblieben, nun ist es wieder aufgetaucht. Er fängt damit zu blättern und beginnt eine Reise in seine heimliche Vergangenheit.

(Shuyi)

„Es war bereits später Nachmittag und ich hatte bald Feierabend. Draußen wehte ein böiger Wind, der die Fensterläden Klappern lässt.  Zum Glück war heute nichts vorgefallen, so hatte ich den ganzen Tag auf der Wache verbracht. Mein Kollege war schon eine Zeit lang krank, so musste ich die meisten Fälle alleine übernehmen. Ich wollte mich gerade auf den Weg Nachhause machen, da klingelte das Telefon: ein Vorfall auf dem Waldfriedhof. Ich war genervt und wollte einen gemütlichen Feierabend haben, leider hatte ich keine andere Wahl und musste raus in den kalten, stürmischen Abend. Ich schnappte mir die Jacke und fuhr zum Friedhof. Als ich dort ankam, waren eine Spurensicherung und ein Gerichtsmediziner vor Ort. Dies verwunderte mich sehr, da ich eigentlich mit einem Vorfall, nicht mit einer Leiche rechnete. Die Leiche lag unter einem Tuch neben dem Grab einer Frau Peters. Ich zog das Tuch weg, um mir die Leichen anzuschauen. Mein Herz blieb stehen, dort war keine Leiche sondern eine Hand, eine vom Körper abgetrennte Hand. Die Hand gehörte eindeutig einer weiblichen Person, die Nägel waren rot lackiert, aber der Zeigefinger war abgeschnitten. Der Gerichtsmediziner kam zu mir. Er sagte: „Das einzige, was wir damit tun können, ist das DNA der Hand durch die Datenbank zu jagen. Ich werde Ihnen Bescheid geben.“ Ich verabschiedete mich vom Gerichtsmediziner und ging zur Wache zurück. Es war alles ganz merkwürdig. Später rief mich der Gerichtsmediziner an, der konnte mir leider nur übermitteln, dass die Hand einer Frau namens Anna Neuberger gehöre, sie sei zurzeit im Krankenhaus. Ich ging also ins städtische Krankenhaus, um vielleicht ein paar Informationen zu erhalten. Als ich dort ankam und  ihr Zimmer betrat, wurde ich von einem sehr angenehmen Geruch empfangen. In dem Bett lag eine bildhübsche brünette Frau,  die mich ängstlich aus ihren blauen Augen ansah. Um ihr Handgelenk trug sie einen dicken Verband, aber die Hand fehlte. Die Nägel ihrer noch existierenden Hand waren auffällig rot lackiert. Sie erklärte mir, dass sie von jemandem verfolgt wurde und dass sie gerade noch mit dem Leben davon gekommen war. Viel konnte sie mir nicht erzählen, da sie unter Schock stand. Als ich mich verabschiedete, sah ich auf einem Dach kurz zwei rote durch Licht geblendete Lichter. Ich redete mir aber ein, dass es nur ein Sonnenstrahl der untergehenden Sonne war. Am nächsten Tag wurde in der Zeitung von einer Entführung in einem Krankenhaus berichtet, ich dachte mir aber nichts dabei da dies öfters passierte. Es erwies sich später dann als Fehler.

Als Herr Jäger die Geschichte durchdacht hat, wird ihm als Ex-Kommissar klar, was er machen muss. Er nimmt sich vor den ungeklärten Fall zu lösen. Herr Jäger setzt sich ins Auto und fährt in das Dorf, in dem der schreckliche Vorfall stattgefunden hat. Als er dann auf dem Friedhofparkplatz ankommt, wird es mittlerweile dunkel und die Wolken hängen tief, aber der Mond ist zum Glück frei, so ist es erstaunlich hell. An Herrn Jäger rüttelt aber ein so heftiger Sturm, dass ihm fast die Beine weggezogen werden.  Der Friedhof ist ein Stück abgegrenzter Wald und ist ziemlich groß. So macht er sich also auf den Weg. Plötzlich wird es dunkel, eine Wolke schiebt sich über den Mond, dann ein laut gequälter Schrei. Eine unheimliche Stille breitet sich aus. Es gibt keine Laternen, Herr Jäger knipst also seine Taschenlampe an. Der alte Mann nimmt all seinen Mut und geht gefassten Schrittes auf den Eingang zu. Ihm wird mulmig als Nebelschwaden aus dem nichts auftauchen. Dann auf einmal, ein Schein einer anderen Taschenlampe und schnelle Schritte. Schnell knipst Herr Jäger seine Taschenlampe aus. Sein Herz rast jetzt schon auf hundert-achtzig und ist in seine Füße gerutscht. Der Schein der Taschenlampe ist weg, Herr Jäger macht sich auf  den Weg dorthin, wo er den Schein gesehen hat. Er stolpert über eine Wurzel rappelt sich aber wieder auf. Dann endlich wieder Licht die Wolke hat sich verschoben, aber Herr Jäger weiß immer noch, dass er nicht alleine ist. Als Herr Jäger an der Stelle ankommt, erstarrt er, ein riesiger Haufen Erde ist neben ihm aufgetürmt und vor ihm liegt ein geöffneter Sarg.  Die Leiche hat keine Haare und leere Augenhöhlen. Aus einer Wunde an ihrer Brust klafft frisches Blut.  Der Leiche scheint aber schon länger eine Hand zu fehlen, die andere Hand hat rote Nägel. Wie ein Schlag trifft es ihn,  dies ist Anna Neuberger und der Täter der Vergangenheit treibt immer noch sein Unwesen. Herr Jäger wird aus seinen Gedanken gerissen, als er in einiger Entfernung einen Taschenlampenschein sieht. Schnell springt er in ein Gebüsch. Der Taschenlampenschein ist Weg.  Jemand nähert sich von hinten aber Herr Jäger ist zu langsam. Schon drückt jemand seine Hand fest auf seine Schulter. Herr Jäger fährt herum ein Mann steht vor mir. Er hat eine grüne Arbeitskleidung, eines Gärtners, an und hat eine Schaufel in der Hand, die er auf ihn gerichtet hält. Er ist blass, sehr stämmig und schwitzte wie ein Schwein. Dann sagt er: „Sie, endlich hab ich Sie gefunden! Was wollen Sie von mir?“, sagt Herr Jäger und versucht seine Nerven zu behalten, obwohl es nicht viel Sinn hat, versucht er ihm ein bisschen Angst zu machen „Ich bin Kommissar, meine Kollegen sind unterwegs. Legen Sie jetzt die Schaufel weg und bleiben Sie ganz ruhig.“ Er hebt einen Stock vom Boden auf und richte ihn auf ihn. „Den Dreck glaubt Ihnen kein Schwein, vor allem hab ich ja nichts getan“, sagt der Gärtner. „Sie schaufeln jetzt schön das Loch, das sie gegraben haben, zu.“ Vor Erleichterung fängt Herr Jäger an zu lachen. Er erklärt dem Mann von dem Lichtstrahl und zeigt ihm seinen alten Ausweis, den er immer dabei hat. Der Gärtner kriegt Farbe in sein Gesicht und fängt ebenfalls an zu lachen. Er erklärt dem Ex-Kommissar, dass er der Friedhofs Gärtner ist und eine Person erwischen wollte, die Gräber aufgemacht hat und den Leichen Körperteile abgetrennt hat. Er muss die Gräber dann immer zuschaufeln. Herr Jäger warnt ihn allerdings davor, dass wenn er dies noch einmal täte, wäre er vielleicht dann selbst eine Leiche. Dann beginnt Herr Jäger den Tatort zu untersuchen, leider findet er keine Spuren, nicht einmal einen Fußabdruck vom Täter. Ihm wird klar, dass es mit einem Profi zu tun hat.

(Mark)

Kommissar Jäger geht schnell nach Hause und überlegt sich das Ganze von vorne. Dann liest er im Tagebuch weiter. Er ist schockiert, noch ein Mord!

„Es dämmerte, ich hatte gleich Feierabend, als man an die Tür klopfte. Es war eine 25-jährige junge Frau, namens Anna Berger. Sie berichtete, dass ihre Freundin, Maria Müller, von einem verrückten Mann in ein verlassenes Haus entführt wurde und wenn wir uns nicht beeilten, wurde er Maria töten. Wir fuhren sofort los. Als wir unterwegs waren, telefonierte ich mit der Polizei, dass sie so schnell wie möglich kommen sollte. Anna erzählte mir alles von Anfang an. Als wir am Haus ankamen, keinen war zu sehen.

Ich öffnete die Tür und sah  überall Blut. Ich sagte zu dem Mädchen, dass es vielleicht besser wäre, wenn sie draußen bleiben würde. Ich lief in das Haus, die Glasscheiben waren am Boden, alle Möbel waren zerstört, die Fenster waren zerbrochen, der Fußboden war aus Holz und  hatte überall  Löcher. Da war alles kaputt. Es gab nur eine kleine Kammer. Ich ging hinein und da sah ich sie. Die 25-jährige Maria war leider tot. Ihr Herz lag neben ihrem toten Körper. Ich wollte ihr Gesicht sehen, aber man konnte sie fast nicht mehr erkennen. Ihre Augen wurden abgerissen, ihre schöne hellblaue Augen. Ich fragte das Mädchen, wie dieser Mann aussah. Sie behauptete, dass sein Blick böse war, seine Augen waren rot, er hatte ein machtvolles Lachen und man konnte erkennen, dass er alles in böser Absicht gemacht hatte.

Er macht das Tagebuch zu und denkt nach. Alle Opfer haben die gleichen Gesichtszüge. Alle Spuren führen zum selben Mörder. Er schnappt sich seine Jacke und geht  schnell zum Tatort. Tatsächlich gibt es dieselben Merkmalen wie im Friedhof. Er kann  das nicht glauben. Was wird er noch entdecken?

(Elena)

Herr Jäger sitzt auf seinem Stuhl und liest weiter. Er kommt zur letzten Seite, wo nur ein großes Fragezeichen steht. Draußen regnet und weht es stark, so stark, dass die Fensterscheiben vibrieren. Der Ex-Kommissar ruft die Wache an, da er eine Vermutung hat, was das Motiv des Täters betrifft. Dies würde sich, was der Ex-Kommissar nicht weiß, in naher Zukunft als richtig erweisen. Der Täter hat den Ex-Kommissar schon von Anfang an gefolgt, weil er verdacht hat, dass er auf alles kommen würde. Da der Ex-Kommissar ihm schon am Friedhof aufgefallen war. Der Täter beobachtet den Ex-Kommissar von der anderen Straßenseite und wartet auf den richtigen Moment. Er geht zum Fenster des Ex-Kommissars, lauscht ein wenig und guckt sich um. Der Täter springt durchs Fenster und zersplittert es, der Kommissar reagiert zu langsam, er dreht sich um und versucht abzuhauen. Doch kann er sich nicht bewegen, da der Täter ein Messer auf ihn hält und sagt, „Bewege dich lieber nicht!“ Der Ex-Kommissar sieht den Typen in die Augen. Er sieht seine roten Augen, die ihn sehr bekannt vorgekommen sind. Sie sind die roten Augen vom Täter, der die ganzen Serienmorde begangen hat. Der Täter erzählt dem Ex-Kommissar nachdenkend, „Die glimmenden hellblauen Augen und die dunkle Haarfarbe von meiner Freundin kann ich nie und nimmermehr vergessen. Wir könnten eigentlich für immer miteinander zusammen sein.  Warum hat sie mich betrogen? Ich vermisse sie immer noch so sehr, aber all das ist nicht mehr so wichtig, ich habe die Schönheit ewig bei mir!“

Etwas Warmes sickert durch das Hemd des Kommissars. Der Täter lächelt zufrieden, doch er bemerkt dabei nicht, dass die Wache am Telefon dran ist, die der Kommissar hinter der Tischlampe gelegt hat. Die Wache bemerkt, dass dort etwas faul ist, da sie Kampf Geräusche gehört haben. Sie schicken eine Streife dorthin, da sehen sie einen rot äugigen, blassen Mann, der neben dem Ex-Kommissar sitzt und das Tagebuch liest.

(Samir)

Es wird allmählich dunkel, der Wind weht stark durch die kaputte Fensterscheibe. Das Zimmer ist mit einer gelben Tischlampe beleuchtet, nun liegt nur das Tagebuch auf dem Boden, dessen Ende unbekannt bleibt.

(Shuyi)